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Mehr als 1000 Kilometer: Flucht, Kampf oder Mission?

«Walk for Sepsis Prevention», Reise-Etappe 11



Hallo, du unendliches Wesen


Roger läuft weiter. Durch Hitze, Müdigkeit, Sand – und inzwischen seit 87 Tagen. Mehr als 1000 Kilometer liegen bereits hinter ihm, drei Viertel seiner Reise sind geschafft. Sein Ziel: Am 11. September möchte er in Playa de Inglés ankommen und im Hotel einchecken. Nach so langer Zeit seine Freunde treffen, wie jedes Jahr.


Von Basel bis nach Gran Canaria zu laufen, ist für jeden Menschen ein aussergewöhnliches Vorhaben. Für Roger kommt hinzu, dass er mit Prothesen und einem Stoma seit drei Jahren lebt. Gerade im Schweizer Herbst und Winter fühlt er sich auf nassem Laub, bei Kälte oder glattem Untergrund oft unsicher. Dann wird der Alltag schnell zur Belastung, manchmal auch zum Grund, lieber zu Hause zu bleiben.


Spinnst du?

Als Roger seine Idee erstmals aussprach, war die Reaktion vieler Menschen vorhersehbar: «Du spinnst doch!» oder «Du hast doch einen Knall in der Schüssel!» Es sind diese Sätze, die man hört, wenn jemand etwas wagt, das ausserhalb der gewohnten Vorstellungskraft liegt. Roger hat sich davon nicht aufhalten lassen. Unser Gespräch.



Natürlich lief nicht alles glatt. Sein Bollerwagen machte bereits nach kurzer Zeit Probleme, es gab Unterbrechungen und Wartezeiten. Das gehört zu einer langen Reise dazu – mit oder ohne Beine.


Und dennoch: Er geht weiter. Schritt für Schritt, mit viel Humor, gelegentlich mit Sarkasmus und mit Menschen, die ihm unterwegs begegnen und sein Herz erwärmen.


In unserem Gespräch wirkte Roger erstaunlich offen und locker. Er kann über sich selbst lachen – eine Fähigkeit, die manchmal hilft, wenn das Leben eine Wendung nimmt, die niemand bestellt hat. Gelingen kann das nur dann, so Roger, wenn man akzeptiert, dass man zwei Beine und ein paar Finger weniger, dafür ein Stoma dazu bekommen hat.


Sex und liebe

Ein Satz von ihm ist besonders hängen geblieben: Jemand habe ihm einmal gesagt, Sex habe nichts mit Liebe zu tun. Das öffnete eine grössere Frage: Was bedeutet Intimität eigentlich?


Intimität beginnt nicht zwingend mit einer anderen Person. Sie beginnt bei der Beziehung zu sich selbst: mit Dankbarkeit, Selbstrespekt, Vertrauen, der Erlaubnis, man selbst zu sein, und mit Verletzlichkeit. Verletzlichkeit bedeutet nicht Schwäche. Es bedeutet, sich einzugestehen, dass manche Menschen einen Weg nur für eine Zeit begleiten. Dass Freundschaften enden können. Dass nicht alles festgehalten werden muss, was einmal wichtig war.


Denken vs. Sinnieren

Roger läuft – und er denkt nach. Er sinniert über Menschen, über sein Leben, über das Danach. Auf die Frage, was sein wird, wenn er wieder zu Hause ist, wollte er noch nicht allzu weit vorausdenken. Vor ein paar Wochen hat er die Frage noch mit «Ich lebe im Hier und Jetzt» beantwortet. Vielleicht ist dieser Weg nicht nur eine Reise zu einem geografischen Ziel. Vielleicht ist er auch ein Weg, auf dem man nicht mehr ausweichen kann: vor Stille, vor Erinnerungen und vor sich selbst.


Spanien gefällt ihm. Die Wärme, die Menschen, die Landschaft und sogar das tägliche Auf und Ab mit seinem Bollerwagen. Teneriffa wäre durchaus ein Ort, an dem er bleiben könnte. Doch Roger weiss: Sein Weg führt weiter. Irgendwann zurück nach Basel, seiner Heimat Stadt.


Die grösste körperliche Belastung ist für ihn nicht primär die Distanz. Er muss seine Prothesen regelmässig ausziehen, versorgen und seinem Körper Pausen geben. (Wie er das macht, wie er seine grossen und kleinen Prothesen pflegt, hat er in einem früheren Gespräch gezeigt.) Das ist vergleichbar mit Blasen nach einer Wanderung – nur mit deutlich mehr Konsequenzen. Eine gute Prothesenpassform, Hautpflege und medizinische Begleitung sind wichtig, weil Druckstellen, Reibung und andere Beschwerden den Alltag erheblich erschweren können.


Phantomschmerzen

Auch über Phantomschmerzen haben wir gesprochen. Roger beschreibt seine Erfahrung sehr persönlich: Vor und nach der ersten Operation stand er zunächst stark unter Medikamenteneinfluss. Die fehlenden Füsse habe er daher nicht sofort bewusst vermisst. Später nahm er sich für sich selbst Zeit, Abschied zu nehmen. Schwieriger wurde es für ihn, als seine Finger schwarz wurden – da war er wacher und weniger durch Medikamente abgeschirmt.


Phantomempfindungen und Phantomschmerzen sind reale Erfahrungen nach einer Amputation. Sie sind kein Zeichen von Schwäche und auch keine «Ausrede». Medizinische Fachstellen nennen verschiedene mögliche Einflüsse – etwa Veränderungen an Nerven, im Rückenmark oder im Gehirn; auch Stress, Wetter, Druck, Infektionen und eine schlecht sitzende Prothese können Beschwerden verstärken. Die Behandlung sollte individuell mit Fachpersonen aus Schmerztherapie, Rehabilitation und Prothetik abgestimmt werden.


Körperarbeit, Bewegung, Entspannung und achtsame Wahrnehmung können Menschen zusätzlich unterstützen, wenn sie als Ergänzung zu medizinischer und therapeutischer Begleitung eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch keine fachärztliche Abklärung oder Behandlung.


Roger zeigt auf dieser Reise nicht nur Ausdauer. Er zeigt auch, dass ein grosser Weg aus vielen kleinen, manchmal unbequemen und manchmal sehr menschlichen Momenten besteht. Ob Flucht, Kampf oder Mission? Vielleicht ist es von allem etwas. Und vielleicht darf sich die Antwort unterwegs verändern. Denn es gibt kein Richtig oder Falsch, kein Gut oder Schlecht. Es ist stets deine Ansicht, die deine Realität kreiert, und nicht umgekehrt.


Du brauchst Hilfe? Du möchtest mehr Leichtigkeit in deinem Leben? Sprich mit mir und buche dir gleich hier dein persönliches GRATIS-Gespräch mit mir.


Herzlichst,

Ruth – dein FACILITATOR für mehr Lebensqualität


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Der Welt-Sepsis-Tag findet jedes Jahr am 13. September statt

  • Bis dahin bleibt diese Reise lebendig.

  • Rogers Weg geht weiter – und mit ihm die Einladung an alle, den eigenen Körper nicht länger zu übergehen.

  • Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer perfekten Antwort, sondern mit einer einfachen, offenen Frage:




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