Loslassen, wenn's triggert?
- Ruth Aschilier

- 17. Sept.
- 5 Min. Lesezeit
Hallo du wunderbares du
Trigger sind wie emotionale Zeitkapseln. So eine ganz grosse ist in den letzten Tagen nicht nur ungebeten zurückgekehrt, sie ist regelrecht explodiert. Irgendwie kündigte sie sich an. Ich wollte es nicht wahrhaben, habe meiner Intuition nicht vertraut. Zuerst schlich sie um die Ecke, wie so ein unangenehmer Geruch, begleitet von vorbeihuschenden Schatten. Dann kam ein leises Räuspern, das regelmässiger, wahrnehmbarer, lauter und lauter wurde. Was es war? Im Nachhinein klar eines der Glaubenssätze aus Kindertagen, den ich längst verabschiedet, losgelassen zu haben glaubte.
Als Eltern ist man sich der Verantwortung bewusst, ist man sich einiges gewohnt und kann sich bestens an Mehrfachwiederholungen erinnern. An die Momente, in denen ich glaubte, meine Tochter sei absolut muttertaub. Heute übertönt unser Lachen jede noch so tiefe Rille auf den alten Schallplatten. Besonders dann, wenn sie mir von den «Missetaten» meiner Enkel erzählt. So herausfordernd das Familienleben auch sein mag – wir haben es überstanden, denn aus Kindern wurden Menschen.
Nur, was, wenn nicht? Heute mit Ü70 triggert mich mein Mitbewohner so sehr, als wäre ich eine Zeitreisende, zurück in die Pubertätsphase meiner eigenen Tochter. Seit Wochen frage ich mich ernsthaft: Was soll, kann ich noch tun um mich verständlich zu machen? Was, wenn ein beinahe 50-Jähriger die einfachsten Benimm-, Hygiene-, und … übergeht? Noch nie davon gehört zu haben scheint? Sich respektlos verhält? Jeder Hinweis, jede Bitte schlicht übergangen wird? Die Unordnung, der Dreck, die Hygiene ein Ausmass annimmt, das unerträglich ist?
Die TRIGGER lassen grüssen, haben die emotionale Zeitkapsel explodieren lassen. Wie meistens, kommt eins zum anderen, bis es echt zum Aus-der-Haut -fahren ist. Die Kündigung ist ausgesprochen, ein Kontakt zur Hilfsstellung ist auch in die Wege geleitet – und doch – die Wut auf mich selbst, weil ich wieder nicht auf meine Intuition gehört habe, lässt mich rot sehen.
Was mich eingeholt hat
mich daran hindert, wirklich loszulassen?
Meine typischen Glaubenssätze
„Ich muss mich kümmern“
„Ich muss nur hart genug arbeiten“
„Ich darf nicht zu hart mit anderen sein“
„Ich muss doch verstehen“
„Ich muss helfen“
Suche nach Antworten
Auch die Suche nach Antworten, wie ich mich verhalten soll, sind alles andere als hilfreich. Oben drein meinte doch eine Kollegin: sei doch menschlich! Du kannst ihn doch nicht einfach auf die Strasse stellen!
Da hintersinne ich mich dann schon, darf ich das? Ist das nicht unmenschlich? Wäge ab, zähle mir dabei immer wieder auf, was ich alles für diese Person gemacht, wie viel Verständnis ich für seine Lage aufgebraucht, ihm Sache geschenkt, wie oft ich um etwas gebeten, auf den Vertrag hingewiesen und Klartext geredet habe - und dann schaue mir die widerlichen Fotos an und weiss, das ist es! Fertig Lustig. Ich muss mir Respekt verschaffen.
Mehr als eine Ursache
Das Geflecht aus Verantwortung, Schuldgefühlen und dem Wunsch, gemocht, gebraucht zu werden, sowieso nie gut genug zu sein, bringen die uralten Muster hoch. Das sind sie dann, die Trigger, die wie aus dem Nichts aus der Vergangenheit auferstehen. Ganz besonders in Situationen, in denen ich auch noch für das Unvermögen anderer beschuldigt werde - dann ist echt fertig lustig.
Warum holen uns alte Trigger immer wieder ein?
Psychologischer Hintergrund:
Trigger sind oft verknüpft mit unverarbeiteten Erlebnissen, verinnerlichten Rollen oder Erinnerungen („Damals als Mutter, Ehefrau, heute als Wohnpartnerin“).
Beispiele, wie alte Muster aufpoppen können:
Wenn jemand nicht aufräumt, Verantwortung abschiebt, Hilfe braucht.
Reflexion:
„Warum werde ich wütend, obwohl ich glaubte, es sei längst vorbei?“
Trigger, wie sie im Alltag entstehen, sind psychologisch oft mit unverarbeiteten Erfahrungen, verinnerlichten Rollenbildern und alten Erinnerungen verknüpft. Gerade wenn das Verhalten eines Menschen als respektlos oder übergriffig erlebt wird, kann dies sehr alte emotionale Muster aktivieren – auch wenn keinerlei persönliche Beziehung besteht und keinerlei „richtige“ Nähe oder Verpflichtung da ist.
Psychologischer Hintergrund von Triggern
Trigger sind starke emotionale Reaktionen auf aktuelle Situationen, die meist durch ähnliche vergangene Erlebnisse entstanden sind – oft solche, bei denen das Gefühl der Hilflosigkeit, Überforderung oder des Ausgenutztwerdens eine Rolle spielte.
Diese inneren Alarmmechanismen werden aktiviert, wenn heutige Situationen Erinnerungen daran wachrufen, dass eigene Grenzen nicht respektiert wurden (z.B. als allein erziehende Mutter, voll berufstätig, die ständig für Ordnung sorgen musste, alles locker aussehen liess und deren Bedürfnisse oft übergangen wurden).
Beispiele aus dem (meinem) Alltag
Ein unordentlicher Mitbewohner, der seinen Dreck liegen lässt, löst das Gefühl aus:
„Ich bin wieder diejenige, die alles sauber halten muss.“ Das ist ein tief eingeprägtes Muster.
Noch drastischer, wenn das Gegenüber keinerlei Einsicht zeigt, grobe Rücksichtslosigkeit lebt und seine Unfähigkeit sogar einem Kind vorlebt. Die emotionale Reaktion ist dann nicht nur Ärger – sondern oft tiefe Wut, weil Werte und Grenzen massiv verletzt werden.
Dazu kommt das Gefühl, nicht gesehen oder respektiert zu werden („Ich MUSS nicht mehr machen, ich bin in Pension. Warum merkt das keiner?“), das in der Kindheit oder im Arbeitsleben oft erlitten wurde und sich jetzt fortsetzt.
Reflexion
Warum kommen diese Gefühle wieder?
Trigger sind wie emotionale Zeitkapseln, die in bestimmten Situationen „geöffnet“ werden – unabhängig davon, ob man mit der Person eng verbunden ist oder nicht.
Das Hirn erkennt ein Muster, das mit einem alten Schmerz oder einem überstandenen Lebensabschnitt (z.B. Stress als Alleinerziehende) verknüpft ist, und reagiert sofort – oft mit Wut, Groll oder sogar der Fantasie von „Mordgelüsten“, die einen selbst erschrecken können.
Auch die Missachtung klarer Absprachen verstärkt diese Reaktion: Wenn Regeln ignoriert werden, kommt das Gefühl auf, wieder in alte Rollen gedrängt zu werden – und das eigene Bedürfnis nach Ruhe und Respekt wird gefährdet.
Deutliche Abgrenzung und Selbstfürsorge
Es ist absolut legitim, klare Grenzen zu setzen und jegliche Unterstützung oder „Rettungsdienste“ zu verweigern, wenn diese Trigger erneut auftreten – besonders in der eigenen Wohnung und nach Jahrzehnten eigener Lebensleistung.
Emotionale Trigger helfen dabei, das eigene Schutzbedürfnis, die eigenen Werte und Lebensziele wieder ins Zentrum zu rücken: Was früher übersehen wurde, „brennt“ heute umso deutlicher auf.
Hilfreich ist es, sich bewusst zu machen, dass diese starken Gefühle ein Signal für die Wertschätzung der eigenen Grenzen sind – und dass niemand gezwungen ist, Lebensstil, Rücksichtslosigkeit oder Respektlosigkeit von anderen einfach zu ertragen.
Die psychologische Dynamik ist also in der Vergangenheit entstanden, wird aber durch heutige Situationen reaktiviert – und fordert einen klaren, ehrlichen Umgang mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen.
Mit alten Triggern kreativ und achtsam umgehen
Bewusste Wahrnehmung:
Erkennen, wann und wie Trigger dich erreichen.
Trigger-Tagebuch
Selbstbeobachtung
Selbstregulation:
Atemübungen, kurze Pausen, sich aus der Situation nehmen, Gefühle benennen.
Gespräch mit dir selbst
(„Was will meine Wut mir sagen?“), liebevoll mit sich sprechen statt Selbstvorwürfe.
Konkrete Strategien für Rückfälle:
Selbstmitgefühl, Perfektionismus loslassen, Fehler als Lernschritt sehen.
Tipps & Tools für die Praxis
5-Minuten-Check am Abend:
Was hat mich heute getriggert? Was hätte mir geholfen?.
Soforthilfe:
Abstand nehmen, Bewegung, bewusste Atmung, Notiz oder Gespräch mit einer Vertrauensperson.
Langfristig:
Ehrlich, dir selbst die Fragen beantworten: "Wie es dir wirklich?" E-Book
Neue Routinen, selbstgewählte Grenzen, mentale Verstärkung
Magic Tools & Toys von Access Consciousness lernen und anwenden
Meditation
Tagebuch
Mein Schlussimpuls
Frage an dich, an die Community
Kurze Zusammenfassung:
Loslassen ist manchmal ein fortwährender Prozess, alte Trigger tauchen auf – aber das heisst nicht, dass du rückfällig bist.
„Welche Situationen holen dich immer wieder ein?
Was fällt dir schwer, wirklich loszulassen?
Und wie gehst du mit der Wut auf dich selbst um?
Geht es dir manchmal genauso wie mir? Tust du dich schwer mit dem loslassen? Weisst einfach nicht mehr ein- noch aus? Dann melde dich, wenn du magst, buche dir hier ein GRATIS 30-Minuten Gespräch.
Die getriggerte lässt dich herzlichst Grüssen 😉
Ruth
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