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Die Anleitung zum Unglücklichsein – und warum ich irgendwann aufgehört habe, mitzuspielen

Hallo, du wunderbares DU


Manche Geschichten beginnen nicht mit einem Knall, sondern mit einem leisen "Machst du noch schnell…?“


Meine Kindheit zum Beispiel. Ich war oft das Gratis-Dienstmädchen: brav, nützlich, funktional. Babysitten, aufräumen, helfen, funktionieren – selbstverständlich. Meine Bedürfnisse? Zweitrangig. Meine Wahrnehmung? «Stimmt nicht.»


Mit 16 bin ich ausgezogen. Rebellin. Nicht, weil ich «schwierig» sein wollte, sondern weil mein System irgendwann sagte: genug. Und doch habe ich mich jahrelang immer wieder bemüht, eine «normale» Beziehung zu meinen Eltern und Geschwistern aufzubauen. Normale Telefonate, normale Treffen, normale Nähe. Das Ergebnis: kläglich gescheitert.


«Das stimmt nicht» – wenn deine Realität systematisch wegdiskutiert wird


Bis heute ist das Muster dasselbe: Wenn ich etwas sage, kommt zuverlässig: «Das stimmt nicht.

Nicht: «Erzähl mir mehr.»

Nicht: «So hast du es erlebt?»

Sondern: Cancel. Delete. Meine Wahrnehmung wird gelöscht, ihre Geschichte gilt.


Der Tiefpunkt war die Testamentseröffnung nach dem Tod meines Vaters. Meine Schwester sagte in die Runde: «Selbst schuld, du hast Lukas nie abgeholt.»


Faktisch: Ich habe Lukas sehr wohl erlebt – in der Nähe von Zürich, in einem Taubblindenheim. Ich arbeitete 100 %, nebst Kind, Mann, Haushalt. Eine Stunde hin, eine Stunde zurück, 2 x quer durch Zürich. Freitags kam für Besuche nicht infrage – trotz mehrmaliger Bitten meinerseits.


Und nach all den Jahren wird die Geschichte so gedreht: «Selbst schuld.»

Ganz ehrlich? Das ist zum Kotzen!


Drei Watzlawick‑Geschichten – und wie wir uns damit zuverlässig unglücklich machen

Wenn ich auf meine Familiengeschichte schaue, sehe ich plötzlich drei Figuren aus Watzlawicks «Anleitung zum Unglücklichsein» neben mir sitzen: den Mann mit dem Hammer, den Betrunkenen mit dem Schlüssel und die Kapitelüberschrift «Diese verrückten Ausländer».


1. Die Geschichte mit dem Hammer – Kopfkino statt Kontakt


Ein Mann plant, ein Bild aufzuhängen. Nagel hat er, Hammer nicht. Der Nachbar hat einen – also will er ihn fragen. Auf dem Weg zur Tür baut sich in seinem Kopf ein Drama auf: «Gestern hat er mich so komisch gegrüsst. Bestimmt mag er mich nicht. Der leiht mir nie im Leben etwas. Was bildet der sich ein …»


Am Ende klingelt er, der Nachbar macht freundlich auf – und der Mann schreit: «Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!»


Die Botschaft:
  • Wir führen Dialoge im Kopf, statt echte Gespräche zu führen.

  • Wir wissen schon vorher, was der andere angeblich denkt.

  • Wir reagieren nicht auf den Menschen vor uns, sondern auf unseren eigenen Film.


In meiner Familie kenne ich das gut. Noch bevor ich einen Satz fertig gesprochen habe, scheint das Drehbuch schon zu stehen: «Das stimmt nicht.» Es ist, als würde mein Gegenüber mir mit dem Hammer‑Mann antworten – nicht auf das, was ich wirklich sage, sondern auf seine alte Geschichte von «die Rebellin, die immer übertreibt».


2. Der verlorene Schlüssel – mehr desselben am falschen Ort


Unter einer Strassenlaterne steht ein Betrunkener und sucht seinen Schlüssel. Ein Polizist kommt vorbei, hilft bei der Suche und fragt irgendwann:

  • «Sind Sie sicher, dass Sie den Schlüssel hier verloren haben?»

  • Antwort: «Nein, dort hinten – aber dort ist es viel zu finster.»

Das ist Watzlawicks Prinzip «mehr desselben» in Reinform:
  • Ich weiss, dass die Lösung nicht hier liegt.

  • Aber hier ist es hell, vertraut, bewohnt von meinen gewohnten Erklärungen.

  • Also suche ich trotzdem weiter hier – und wundere mich, warum sich nichts ändert.​

In meinem Leben hiess das lange:
  • Immer wieder versuchen, mit denselben Menschen auf dieselbe Art «endlich Frieden» zu machen.

  • Immer wieder hoffen, dass diesmal meiner Wahrnehmung geglaubt wird.

  • Immer wieder nach Liebe und Bestätigung genau dort suchen, wo ich immer wieder abgewertet werde.

Das ist emotionale Schlüsselsuche unter der Laterne: bequem, gewohnt – aber hoffnungslos.



3. «Diese verrückten Ausländer» – Die anderen sind das Problem




In Watzlawicks Kapitel «Diese verrückten Ausländer» geht es nicht wirklich um Nationalitäten, sondern um unsere Lieblingsdisziplin:

Schuld nach aussen delegieren. Die Grundmelodie lautet:
  • Ich bin normal, die anderen sind komisch.

  • Meine Sicht ist die Wahrheit, ihre Wahrnehmung ist «falsch».

  • Wenn sich jemand beschwert, liegt das an seiner Empfindlichkeit, nicht an meinem Verhalten.

In Familien klingt das so:
  • «Das stimmt so nicht, du übertreibst.»

  • «So war das nicht, du erinnerst dich falsch.»

  • «Selbst schuld, du hättest ja …»

Als meine Schwester bei der Testamentseröffnung sagte: «Selbst schuld, du hast Lukas nie abgeholt», war das für mich genau dieser Moment: «Diese verrückten Ausländer» – nur dass in der Rolle der «Verrückten» plötzlich ich stehe. Die Geschichte wird so gedreht, dass ich zum Problem werde, nicht das System, in dem ich jahrelang gratis Dienstmädchen war.


Watzlawick live: Wie man sich seine eigene Unglücksanleitung baut


An diesem Punkt kommt Paul Watzlawick ins Spiel – mit seiner «Anleitung zum Unglücklichsein».


Seine These: Unglücklichsein ist kein Zufall, sondern eine Kunst. Eine Frage von Denkmustern, Interpretationen und immer denselben Lösungsversuchen.

Die Metapher vom verlorenen Schlüssel kennst du:

Ein Mann verliert seinen Schlüssel im Dunkeln, sucht ihn aber unter der Strassenlaterne, weil es dort hell ist. Logisch falsch – emotional sehr menschlich.


Wir machen es genauso:
  • Wir suchen die Ursache unserer Schmerzen dort, wo es «hell» ist:

    • bei den anderen, in ihrer Schuld, in alten Geschichten.

  • Wir gehen ungern dorthin, wo es dunkel ist: zu unseren eigenen Grenzen, zu unseren Entscheidungen, zu dem Punkt, an dem wir sagen müssten:

    • «Stopp. Bis hierher und nicht weiter.»


Watzlawick nennt das «mehr desselben». Wenn etwas nicht funktioniert, mach mehr davon. Noch mehr anpassen. Noch mehr erklären. Noch mehr beweisen, wie sehr du dich bemühst.

Kommt dir das bekannt vor?

Diese «verrückten Ausländer» – wenn wir lieber Feindbilder pflegen, als Verantwortung zu übernehmen


In «Anleitung zum Unglücklichsein» gibt es das Kapitel «Diese verrückten Ausländer». Es geht nicht nur um Nationalitäten, sondern um das Prinzip:

«Die anderen sind komisch. Ich bin normal.»


Übertragen auf Familien heisst das:

  • «Du bist empfindlich, wir sind normal.»

  • «Du erinnerst dich falsch, wir wissen, wie es wirklich war.»

  • «Du bist die Schwierige, wir sind die Vernünftigen.»


Das ist ein geniales Unglückssystem:

  • Du wirst zum Problem erklärt.

  • Die anderen müssen sich nie hinterfragen.

  • Die Familiengeschichte bleibt geschützt, du wirst ausgespuckt wie ein Störfaktor.


Ich kenne das auswendig.

Und genau da beginnt meine eigene «Anleitung zum Glücklichsein» – und Access.


Access: Irgendwann ist genug – und zwar für mich.


Access hat mir keinen Zauberstab geschenkt, der meine Familie «bewusster» macht.

Was ich bekommen habe, sind Fragen. Und eine radikale Erlaubnis, meine Wahrnehmung nicht mehr zu verraten.


Ein paar Schlüsselmomente:


«Wem gehört das?»

Jahrelang habe ich versucht, das Familiengefühl zu «reparieren».

Heute frage ich:
  • Ist das wirklich meins – diese Schuld, diese Scham, dieses «Selbst schuld»?

  • Oder nehme ich nur das Energiefeld der anderen wahr?


«Was ist hier richtig an mir, das ich noch nicht sehen will?»

Ich war die Rebellin mit 16. Die, die ausgezogen ist. Die, die Nein gesagt hat.

  • Früher: Beweis, dass mit mir etwas nicht stimmt.

  • Heute: Beweis, dass mein inneres Frühwarnsystem funktioniert.


«Welche Wahl habe ich, die ich bisher nicht gewählt habe?»
  • Eine Wahl war: Ich muss immer wieder anklopfen, immer wieder versuchen, immer wieder erklären.

  • Eine neue Wahl ist: Ich darf aufhören. Ich darf die Tür schliessen, ohne im Unrecht zu sein.


«Irgendwann ist genug» heisst für mich:
  • Nicht mehr auf Familien‑Zugehörigkeit hoffen, die es so nie gegeben hat.

  • Nicht mehr nach dem Schlüssel im Hellen suchen – bei ihnen, in ihrer Anerkennung –, wenn ich genau weiss, dass er in meinem Inneren liegt: in meiner Klarheit, meinen Grenzen, meiner Selbstachtung.


Russen, Amerikaner – und ich


Watzlawick spielt mit dem Bild der «Russen und Amerikaner“:
  • Die einen haben Probleme, wissen aber nicht, woher sie kommen.

  • Die anderen inszenieren Probleme, um sich lebendig zu fühlen.


Ich war lange der perfekte Mix:
  • echter Schmerz aus der Kindheit

  • plus eine Meisterschaft darin, immer wieder an denselben Ort zurückzukehren, in der Hoffnung, «diesmal wird es anders».


Access hat mir eine andere Frage gestellt:

Willst du diese Rolle wirklich weiterspielen?


Ich musste mir eingestehen:

Wenn ich weiter erwarte, dass Menschen, die mir immer wieder sagen «Das stimmt nicht», plötzlich meine tiefste Wahrheit sehen – dann schreibe ich aktiv an meiner eigenen Anleitung zum Unglücklichsein mit.


Was kannst du ändern – ganz konkret?


Falls du dich in Teilen meiner Geschichte wiedererkennst, hier drei Fragen, die du mitnehmen kannst:



1. Wo suchst du gerade unter der Laterne?

Wo hoffst du auf Anerkennung, Verständnis, Entschuldigung – von Menschen, die dir bisher vor allem eines sagen: «Das stimmt nicht»?


2. Welche Geschichte über dich selbst hält dich in der Rolle fest?
  • Ich muss mich mehr bemühen.

  • Ich darf nicht aufgeben.

  • Familie ist heilig, egal wie.

  • Was, wenn genau diese Sätze Teil deiner Unglücksanleitung sind?


3. Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn du nur für dich verantwortlich wärst – nicht für das Bild, das andere von dir haben sollen?

  • Mehr Distanz?

  • Klare Grenzen?

  • Kein Kontakt?

  • Oder schlicht: innerlich aussteigen aus dem Spiel «Wer hat recht?»


Access ist für mich kein «Happy‑Klatschen», sondern ein radikales Ja zu meiner Wahrnehmung.
  • Ja, es hat wehgetan.

  • Ja, es tut noch weh, wenn alte Sätze hochploppen wie «Selbst schuld, du hast…“

  • Und trotzdem: Ich muss mein Leben nicht länger nach dem Drehbuch anderer schreiben.


Meine neue Anleitung


Wenn ich heute eine Anleitung zum Glücklichsein formulieren müsste, sähe sie so aus:


  • Glaube deiner Wahrnehmung mehr als den Geschichten, die andere über dich erzählen.

  • Hör auf, Liebe und Anerkennung genau dort zu erzwingen, wo du dich immer wieder klein und falsch fühlen musst.

  • Such den Schlüssel dort, wo du ihn verloren hast: bei dir – in deiner Klarheit, deinen Grenzen, deiner Bereitschaft zu wählen.

  • Und wenn jemand sagt: «Das stimmt nicht», dann frag dich:

«Muss diese Person mich verstehen – oder reicht es, wenn ich mich selbst nicht mehr verrate?»

Vielleicht ist das nicht «nett».

Aber es ist ehrlich.

Und ehrlich ist – trotz allem – der schnellste Weg raus aus der Anleitung zum Unglücklichsein.


Herzlichst

Ruth


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